Das
EN.CPS und sein Zypern-Projekt
Im Frühjahr 2002 beschloss des European Network for Civil Peace
Services EN.CPS, ein multinationales Projekt des Zivilen Friedensdienstes
in Zypern zu planen. Die deutsche Mitgliedsorganisation Forum Ziviler
Friedensdienst e.V. führte daraufhin bis Frühjahr 2004
eine Machbarkeitsstudie durch. Teil der Studie waren zwei Sondierungsreisen
nach Zypern; sie erbrachten vertrauensvolle Kontakte zu den Friedensinitiativen
auf beiden Seiten der Insel sowie zu zahlreichen weiteren zivilgesellschaftlichen
und staatlichen Trägern.
In der geplanten Form ließ sich das Projekt
nicht verwirklichen: Mangels politischer Einigung auf der Insel
blieben die dafür vorgesehenen EU-Mittel gesperrt. Auch in
Deutschland waren öffentliche Mittel nicht zu gewinnen: Das
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit BMZ fördert
zwar das Instrument des Zivilen Friedensdienst, aber nur in Entwicklungsländern;
das Auswärtige Amt fördert zwar friedensfördernde
Maßnahme auf Zypern, nicht aber eine langfristige Personalentsendung,
die das Kernelement des Zivilen Friedensdienstes darstellt. So scheiterte
eine sinnvolle und allseits gewünschte zivilgesellschaftliche
Maßnahme an Festlegungen im Bereich der staatlichen Akteure.
Das EN.CPS bemüht sich weiterhin, das Projekt
nunmehr mit privaten Stiftungsgeldern zu verwirklichen. Dazu müssen
allerdings erneut die Bedingungen und Bedürfnisse der zyprischen
Partner erfragt werden. Denn inzwischen haben sich die politischen
Bedingungen grundlegend verändert. Seit dem Mai 2004 ist Zypern
Mitglied der EU – völkerrechtlich die gesamte Insel,
faktisch nur der griechisch-zyprische Süden. Die Kontakte über
die Trennungslinie hinweg, die jahrzehntelang gar nicht und dann
nur mühsam möglich waren, sind seit der teilweisen Grenzöffnung
im April 2003 zum Alltag geworden. Die parallelen Referenden kurz
vor dem EU-Beitritt mit dem klaren JA zum Annan-Plan im türkisch-zyprischen
Norden und dem ebenso klaren NEIN im Süden haben neue internationale
Parameter geschaffen und das Zypern-Problem nun zu einem inneren
Problem der EU gemacht.
Unter den zyprischen Friedensgruppen besteht Konsens,
dass die Bemühungen um interethnischen Dialog weitergehen müssen.
Die schrittweise Wiedervereinigung der Insel, die der Annan-Plan
in geregelte Bahnen lenken wollte, wird sich nun in weniger geregelten
Formen dennoch vollziehen. Der mehrheitliche Widerstand der Inselgriechen
hat bewiesen, dass wesentliche Konfliktthemen wie die Fragen von
interkultureller Anerkennung, von Grundeigentum und Freizügigkeit,
des Bleiberechts der zugewanderten Festlandstürken u.a.m. ungelöst
sind.
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Für die unmittelbare Arbeit auf
unterer gesellschaftlicher Ebene stehen zahlreiche qualifizierte
und erfahrene Kräfte in den lokalen zyprischen Initiativen
zur Verfügung. Eine Mitwirkung externen Fachkräfte kann
aber dazu beitragen, diese Arbeit international zu vernetzen. Ein
erster Schritt ist die Einladung an ausgewählte zyprische Friedensgruppen,
ihrerseits Mitglied im EN.CPS zu werden.
Dahinter steht die politische Überlegung, dass
sich der Werte- und Erfahrungshorizont der zyprischen Friedensinitiativen
nicht mehr im engen Raum der Insel erschöpfen kann, sondern
sich aktiv auf Prozesse der Globalisierung, zuvörderst im neu
erschlossenen Rahmen der EU einlassen muss. Seitdem bi-kommunale
Begegnungen ihren spektakulären Eigenwert verloren haben, kann
die Zukunft dieser Initiativen nur in einer bewussten Öffnung
zu interkulturellen Lernprozessen als Daueraufgabe liegen. Dabei
kann ein mittelfristig angelegtes Zypern-Projekt – möglichst
wieder gemeinsamen mit Partnern im EN.CPS – beitragen.
Referent: Dr. Tilman Evers, Vorsitzender des
Forum Ziviler Friedensdienst e.V. und
Mitbegründer des EN.CPS
Das europäische Netzwerk ist Mitbegründer
des im Jahr 2000 errichteten ständigen Verbindungsbüros
europäischer Friedensgruppen, des /European Peacebuilding Liaison
Office/ (EPLO) in Brüssel. Über dieses Büro gewinnt
es auch einen Gutteil seiner Informationen über laufende Entwicklungen
in der Europäischen Union.
Die Koordination des Netzwerkes hat z.Zt. Frau Helga
Tempel, Vorstandsmitglied des /forum/ZFD inne. Das EN.CPS verfügt
über kein eigenes Personal und arbeitet auf der Grundlage des
Engagements und der finanziellen Unterstützung seiner Teilnehmerorganisationen.
Für das EN.CPS ist Herr Jochen Schmidt, Student und Mitglied
des /forum/ZFD, mit der Organisation der Tagung betraut.
http://www.peaceworkers.org.uk/ecpc.html
http://www.friedenbrauchtfachleute.de/international.php
Die Initiative pro UNCOPAC
www.pro-uncopac.info
Konkurrenz und Zusammenarbeit
www.gekodem.org
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